Siemens kauft für 5,1 Milliarden Dollar in den USA zu

Reuters · Uhr
Quelle: (c) Copyright Thomson Reuters 2025. Click For Restrictions - https://agency.reuters.com/en/copyright.html

- von Alexander Hübner

München (Reuters) - Siemens setzt seine milliardenschwere Einkaufstour für Industriesoftware fort.

Zum zweiten Mal binnen weniger Monate übernimmt der Münchner Technologiekonzern eine Softwarefirma aus den USA, um sein Geschäft mit Automatisierungstechnik zu stärken. Siemens zahlt 5,1 Milliarden Dollar für Dotmatics, eine auf Software für die Forschung und Entwicklung von Arzneimitteln spezialisierte Firma aus Boston. "Die Übernahme von Dotmatics ist Teil unseres Wachstumsprogramms 'One Tech Company', mit dem wir unsere führende Position bei Industriesoftware weiter ausbauen und unseren Kunden helfen, noch schneller innovativ zu sein", sagte Vorstandschef Roland Busch. Erst vor kurzem hatte der Konzern die zehn Milliarden Dollar schwere Übernahme der US-Industriesoftwarefirma Altair Engineering perfekt gemacht.

Siemens erhofft sich von der Übernahme von Dotmatics mehr Geschäft mit der Pharmaindustrie, einer Branche, in der die Automatisierungs-Sparte Digital Industries bisher nur in der Produktion, nicht aber in der teuren Entwicklung vertreten ist. Der Markt, den Siemens mit seiner Industriesoftware erschließen könne, wachse damit um elf Milliarden auf 79 Milliarden Dollar. "Künstliche Intelligenz hat sich in zahlreichen Branchen zu einer transformativen Kraft entwickelt, und ihre Anwendung in den Life Sciences gewinnt zunehmend an Bedeutung", sagte Busch. Er hat sich auf die Fahnen geschrieben, den Anteil von Software am Umsatz von Siemens zu verdoppeln.

Für die heutige Siemens AG - abgespaltene und verkaufte Töchter ausgenommen - ist es eine der drei teuersten Übernahmen der Firmengeschichte. "Der Deal ist (sehr) teuer und bedeutet eine überraschende Ausdehnung von Digital Industries auf die Pharmabranche", schrieb Deutsche-Bank-Analyst Gael de-Bray. Siemens könne damit die Lücke zwischen der Entwicklung von Medikamenten und deren Massenproduktion schließen, erklärte Alexander Wahl von Stifel. Schon der Stand von Siemens auf der Hannover Messe sei ganz auf Pharma ausgerichtet gewesen, fiel Martin Wilkie von Citi auf.

Die Siemens-Aktie fiel um 3,6 Prozent auf 207 Euro. Doch der Zukauf wurde von Sorgen um das US-Geschäft angesichts der neuen Zölle überlagert.

Die Wurzeln von Dotmatics liegen im Jahr 2005, 2017 stieg der Finanzinvestor Insight Partners bei der Firma ein, die damals noch Insightful Science hieß. 2021 kaufte der Investor die britische Dotmatics zu und übernahm deren Firmennamen. Das Unternehmen mit rund 800 Mitarbeitern und 14.000 Kunden erwartet im laufenden Jahr einen Umsatz von 310 Millionen Dollar - bei einer operativen Umsatzrendite (Ebitda-Marge) von mehr als 40 Prozent. Siemens zahlt das 39-fache des erwarteten operativen Gewinns (Ebitda), wie aus einer Präsentation hervorgeht. Der Kaufpreis sei "hoch, aber branchenüblich", hieß es bei der DZ Bank.

Siemens rechnet mittelfristig mit positiven Umsatzeffekten von 100 Millionen Dollar, die später auf eine halbe Milliarde pro Jahr wachsen könnten. "Die Akquisition von Dotmatics schafft starke Umsatzsynergien, ist hochprofitabel und wird sich positiv auf den Cash-flow auswirken", sagte Siemens-Finanzvorstand Ralf Thomas. Die Übernahme soll im Herbst oder Winter 2025/26 vollzogen werden.

SIEMENS WILL MEHR HEALTHINEERS-AKTIEN VERKAUFEN

Finanzieren will Siemens den Zukauf - wie schon bei Altair - "in erster Linie" mit dem Verkauf von Anteilen börsennotierter Unternehmen, darunter der Medizintechnik-Tochter Siemens Healthineers, wie Finanzvorstand Thomas ankündigte. Für Altair hat er bereits den Erlös aus dem Abbau der Beteiligung an Healthineers von 75 auf 70 Prozent reserviert, Aktien für 1,45 Milliarden Euro hat Siemens bereits platziert.

Um den Dotmatics-Kauf zu finanzieren, müsste Siemens weitere 8,3 Prozent verkaufen, rechnete Stifel-Analyst Wahl vor. Der Verkaufsdruck lastete am Donnerstag auf der Healthineers-Aktie, die 3,7 Prozent auf 48,12 Euro nachgab. Den Verkauf von weiteren sechs Prozent an Siemens Energy hat Siemens fast schon abgeschlossen, dort hält der Konzern inzwischen nur noch elf Prozent. Zukäufe im Kerngeschäft und der Abverkauf bei Healthineers könnten den Konglomeratsabschlag der Siemens-Aktie reduzieren, schrieb Citi-Analyst Wilkie. Thomas hatte zuletzt auch einen weitgehenden Rückzug bei Siemens Healthineers ins Gespräch gebracht.

(Bericht von Alexander Hübner; Redigiert von Olaf Brenner; Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an unsere Redaktion unter berlin.newsroom@thomsonreuters.com (für Politik und Konjunktur) oder frankfurt.newsroom@thomsonreuters.com (für Unternehmen und Märkte).)

onvista Premium-Artikel

onvista Trading-Impuls
Favoritenwechsel bei den US-Techwerten: IBM ist zurück!02. Apr. · onvista
Favoritenwechsel bei den US-Techwerten: IBM ist zurück!
Gold, Aktien, exotische ETFs
So schützt du dich vor Inflation01. Apr. · onvista
So schützt du dich vor Inflation
Chartzeit Wochenausgabe vom 30.03.2025
US-Zölle und Inflation: Warum der Abschwung noch weiter gehen könnte30. März · onvista
US-Zölle und Inflation: Warum der Abschwung noch weiter gehen könnte