Konjunktur

Jetzt klingelt der Rezessionsalarm in den USA richtig – was Anleger wissen müssen

onvista · Uhr (aktualisiert: Uhr)

Wegen Eigenarten der BIP-Berechnung ist ein Wirtschaftsindikator in den USA in den Keller gerauscht. Die neueste Lesung aber zeigt, dass es wirklich brenzlig wird.

Quelle: Dilok Klaisataporn/Shutterstock.com

Ende Februar erwischte der „GDPnow“-Indikator der Federal Reserve in Atlanta den Markt auf dem falschen Fuß. Von zuvor 3,9 Prozent Wachstum rauschte der Indikator auf minus 1,5 Prozent, wenige Tage später zeigte er sogar minus 2,4 Prozent für die Veränderung des Brutto-Inlands-Produkts (BIP) an.

Schlagartig packte die Angst vor einer Rezession die Märkte, zumindest für einige Tage. Denn die schwachen Lesungen des Indikators beruhten auch auf einem kuriosen Vorgang

Der sprunghaft gestiegene Import von Goldbarren in die USA verzerrte die Kalkulation – denn Importe werden bei der BIP-Berechnung abgezogen, um Doppelzählungen mit später verkonsumierten Einfuhren zu vermeiden. Nur wird Gold eben nicht „verkonsumiert“.

Mangelhafte BIP-Prognose
Die neue Angst vor einer US-Rezession ist auch einer kuriosen Rechnung geschuldet · Uhr · onvista
Die neue Angst vor einer US-Rezession ist auch einer kuriosen Rechnung geschuldet

Nun aber ist der Indikator erneut abgesackt, und zwar nochmals tiefer. Die Lesung vom ersten April signalisierte einen BIP-Rückgang um 3,7 Prozent. Selbst, wenn die Zahlen um Gold bereinigt werden, liegt der Indikator bei minus 1,4 Prozent.

Kurzum: Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA steigt eindeutig. Erste Gewissheit dazu gibt es am Monatsende. Am 30. April veröffentlicht die US-Behörde für Wirtschaftsanalyse BEA die erste Schätzung für das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal. Sollte das BIP schrumpfen, und nachfolgend auch im zweiten Quartal, wäre die technische Definition einer Rezession erfüllt.

Goldman revidiert Rezessionschancen nach oben

Neben dem Indikator der Fed in Atlanta verweisen immer mehr Signale auf eine Wirtschaftsschwäche in den Staaten. Die Börsen, mit dem volatilen Abverkauf der vergangenen Wochen ohnehin, aber auch die Stimmung unter Konsumenten. So sind die Inflationserwartungen der US-Verbraucher förmlich nach oben geschnellt.

Zudem korrigierte die US-Investmentbank Goldman Sachs erst zum Wochenanfang die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA von 20 auf 35 Prozent nach oben. Hinter all diesen Zeichen steht ein Faktor. Die Handelspolitik des US-Präsidenten.

Praktisch ab seinem ersten Amtstag verhängte Donald Trump neue Zölle auf Importe in die USA, oder drohte diese an. Am heutigen Mittwoch, vom Weißen Haus zum „Befreiungstag“ gekürt, soll ein großer Rundumschlag folgen. 

Der Schaden ist bereits entstanden

Selbst, wenn die Zölle weniger drastisch ausfallen als befürchtet, ist der Schaden schon entstanden. Angesichts der neuen Unsicherheit werden sich Unternehmen zweimal überlegen, wie sie ihre Lieferketten gestalten, oder ob sie expandieren wollen. US-Verbraucher werden ebenso zweimal überlegen, ob eine Anschaffung aktuell wirklich nötig, ja überhaupt bezahlbar ist.

Für Anleger hat das ebenso Konsequenzen. Üblicherweise rutschten die Börsen bei respektive vor einer Rezession ab, die Kurse können auch längerfristig am Boden liegen. Allerdings nehmen die Märkte auch vorweg, wenn sich andeutet, dass die Wirtschaft das Gröbste hinter sich hat.

Anleihen und sichere Häfen wie Gold steigen indes in wirtschaftlichen Dürrephasen. Zwar dürften die Anleihenrenditen sinken, weil einerseits Anleger dann in Bonds umschichten, andererseits die Notenbanken die Zinsen senken, über die Kurse aber sind dann Gewinne möglich. Anleihenrenditen und Kurse bewegen sich nämlich invers zueinander.

Goldman Sachs erwartet, dass sowohl die US-Notenbank Fed als auch die Europäische Zentralbank die Zinsen in diesem Jahr noch jeweils drei Mal senken werden, von zuvor zwei prognostizierten Zinssenkungen. Den Anleihenkursen könnte das helfen.

Anleger können ihr Depot absichern

Zwar sind Zinssenkungen tendenziell auch positiv für den Aktienmarkt, das Kursziel für den S&P 500 zum Jahresende senkte Goldman indes aber erneut, auf mittlerweile nur noch 5.700 Punkte. Vom aktuellen Niveau aus wäre das ein vernachlässigbar kleiner Gewinn. Von allen Wall-Street-Banken erwartet Goldman damit am wenigsten vom breiten US-Aktienmarkt.

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Wie du dich als Anleger vor den Rezessionsrisiken schützt, kannst du hier nachlesen. Die Prognosen in diesem Artikel sind zwar veraltet, die Portfolio-Ideen aber zeitlos. Darüber hinaus haben wir in diesem Artikel einige Instrumente versammelt, mit denen das Portfolio gegen eine steigende Inflation abgesichert werden kann. Auch das ist nämlich eine mögliche Folge, wenn Trumps Zölle die Weltwirtschaft mit voller Wucht treffen.

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