Deutsche Anleihen: US-Zollpaket beflügelt Kurse
FRANKFURT (dpa-AFX) - Das weitreichende Zollpaket der US-Regierung hat die Kurse deutscher Bundesanleihen am Donnerstag gestützt. So stieg der richtungweisende Terminkontrakt Euro-Bund-Future um 0,54 Prozent auf 129,78 Punkte. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel um 0,08 Prozentpunkte auf 2,63 Prozent. In allen Ländern der Eurozone gaben die Renditen deutlich nach.
US-Präsident Donald Trump sagt mit einem gewaltigen Zollpaket allen Handelspartnern den Kampf an. Seine Regierung führt neue pauschale Zölle in Höhe von zehn Prozent auf Importe aus allen Ländern ein. Für viele Staaten sollen je nach Handelsdefizit deutlich höhere Strafabgaben greifen. Auf Einfuhren aus Deutschland und anderen Staaten der Europäischen Union in die USA sind demnach neue Zölle in Höhe von 20 Prozent vorgesehen.
Die EU bereitet derweil Gegenmaßnahmen vor, will aber gesprächsbereit bleiben. "Wir finalisieren bereits das erste Maßnahmenpaket als Reaktion auf die Stahlzölle und bereiten nun weitere Maßnahmen vor, um unsere Interessen und Unternehmen zu schützen, falls die Verhandlungen scheitern", sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Rande eines Gipfeltreffens mit Staats- und Regierungschefs zentralasiatischer Staaten in Usbekistan. EU-Handelskommissar Maros Sefcovic will am Freitag das Gespräch mit der US-Seite suchen.
Chefvolkswirt Carsten Brzeski von der ING-Bank reduzierte in der Folge der US-Zollankündigungen die Wachstumsprognosen für die Eurozone. Die Folgen für die Inflation hingen derweil erst einmal auch von der Reaktion der EU ab. Sollten zumindest einige Gegenmaßnahmen getroffen werden, würde die Teuerungsrate in Europa zunächst wohl zulegen.
Dem stehe aber gegenüber, dass infolge der US-Zölle die bereits hohen Lagerbestände vieler Unternehmen und geringere Produktionsauslastungen noch verschärft werden könnten, so Brzeski weiter. Das wiederum spräche dann für ein Sinken der Inflationsrate. Gleichzeitig könnten Länder wie China versuchen, mehr nach Europa zu exportieren und das zu niedrigeren Preisen.
Daher könnte ein umfassender weltweiter Handelskrieg - sollte er ausbrechen - sogar zu einer fallenden Inflationsrate in Europa führen. Die Europäische Zentralbank hat noch keine klaren Signale gegeben, ob sie Mitte März erneut die Zinsen senken will. Man wolle angesichts der hohen Unsicherheit zunächst abwarten, hieß es./jsl/he