Donald Trump verkündet umfassende Zölle - US-Futures brechen ein

"Make America Wealthy Again Even" - mache Amerika wieder wohlhabend. So betitelte die US-Regierung die Pressekonferenz mit Donald Trump im Rosengarten des Weißen Hauses am Mittwoch, bei welcher Trump endlich Klarheit schaffte. Die USA werden einen Basis-Zoll von zehn Prozent auf alle Einfuhren erheben. Außerdem wird es reziproke Zölle für bestimmte Handelspartner, wie etwa China und die EU, geben.
"Sehr, sehr gute Nachrichten für heute", erklärte Trump zu Beginn der Konferenz. Heute sei der "Befreiungstag", auf den man lange gewartet habe. Der Tag werde in Erinnerung bleiben als Zeitpunkt, "an dem Amerikas Industrie wiedergeboren wurde", so Trump.
Zugleich kritisierte Trump in einer Tirade all diejenigen Länder, die "Amerika abgezogen haben". Dem US-Präsidenten zufolge hätten andere Ländern Barrieren gegenüber US-Firmen aufgebaut, intellektuelles Eigentum gestohlen und amerikanische Arbeitsplätze vernichtet. Den Amerikanern versprach er "mehr Jobs" und "niedrigere Preise" durch seine Zollpolitik.
So sehen Trumps Zollpläne aus
Konkret erklärte Trump, ab Mitternacht gelte ein Zoll von 25 Prozent auf alle im Ausland gebauten Automobile. Diese Zölle hatte die US-Regierung aber schon zuvor angekündigt.
Darüber hinaus schaffte Trump in einer Sache Klarheit: Einerseits soll es einen generellen Basis-Zoll von zehn Prozent geben. Außerdem sollen wechselseitige Zölle kommen. Das bedeutet, dass die USA die Zölle anderer Länder auf amerikanische Importe spiegelt - bei einer 20-prozentigen Einfuhrgebühr beispielsweise für amerikanische Maschinen wollen auch die USA ebenso 20 Prozent erheben. Allerdings schränkte Trump ein, dass sie nicht "voll reziprok" sein sollen.
In einer Tabelle zeigte Trump auf, wie diese Zölle konkret aussehen. So erhebe die EU laut Trump eine effektive Zollrate von 39 Prozent, wobei die US-Regierung in dieser Kalkulation auch ihrer Meinung nach unfaire, nichtfinanzielle Handelsbarrieren einrechnet. Die USA werde auf EU-Importe 20 Prozent erheben, also ungefähr die Hälfte. Trump zufolge bleibe man "gütig" bei den wechselseitigen Zöllen.
Hohe Unsicherheit an den Börsen könnte anhalten
Die Futures auf die US-Börsen drehten nach der Pressekonferenz ins Minus, nach Gewinnen zu Beginn von Trumps Ausführungen. Unterdessen stieg der Kurs des Euro zum Dollar kurzzeitig über die Marke von 1,09 US-Dollar. Offenbar verschreckte Trump die Märkte zumindest teilweise mit den steilen Zöllen gegenüber einzelnen Handelspartnern.
Der Future auf den US-Leitindex Dow Jones rutschte um 700 Punkte, rund 1,8 Prozent, ab. Negative Signale gab es ebenfalls von größeren US-ETFs. Der bekannte SPY, ein ETF auf den marktbreiten S&P 500, verlor im nachbörslichen Handel zwei Prozent. Auch der Invesco QQQ, der den Nasdaq 100 nachbildet, rutschte um 3,3 Prozent ab.
Europas Börsen hatten schon vor der Pressekonferenz mit Verlusten geschlossen. Der deutsche Leitindex Dax dämmte zwar einen Teil der Verluste im Handelsverlauf ein, schloss aber trotzdem 0,66 Prozent tiefer bei 22.390 Punkten. Der Euro Stoxx 50 rutschte um 0,3 Prozent ab. Noch am Vortag hatte der Dax satte 1,7 Prozent aufgeholt. Die US-Börsen hatten indes am Mittwoch im regulären Handel moderat zugelegt.
Die vergangenen Handelstage waren nicht selten von großen Auf- und Abschwüngen geprägt - ein Zeichen der hohen Unsicherheit bezüglich der Zölle. Diese dürfte auch nach der Pressekonferenz im Weißen Haus nicht verfliegen, mahnen Marktbeobachter.
"Die eigentliche Gefahr ist, was nach den Ankündigung passiert, etwa, ob die Europäische Union mit Vergeltungszöllen reagiert", erklärte eine Portfoliomanagerin der britischen Vermögensverwaltung RBC Brewin Dolphin gegenüber "CNBC". Darüber hinaus gebe es das Risiko dass die "[Zölle] ein wenig wie die Inflation werden und sich längerfristig halten", mit entsprechender Unklarheit über das Wachstum für eine längere Zeit.